
Währungsabsicherung bei ETFs: Lohnt sich der Schutz des Schweizer Frankens?
Wer in einen ETF auf den MSCI World oder den S&P 500 investiert, kauft Anteile an Unternehmen aus der ganzen Welt. Der Grossteil dieser Firmen stammt aus den USA und notiert in US-Dollar. Für Schweizer Anleger bedeutet dies ein zusätzliches Risiko im Depot. Neben den üblichen Schwankungen der Aktienkurse beeinflusst auch der Wechselkurs die endgültige Rendite.
Hier kommt die Währungsabsicherung (Hedging) ins Spiel. Viele Finanzprodukte werben damit, dieses Wechselkursrisiko zu eliminieren und die Rendite in Schweizer Franken zu glätten. Doch oft stellt sich die kritische Frage, ob diese Versicherung ihr Geld wirklich wert ist oder ob sie langfristig eher die Performance schmälert.
Wie die Absicherung funktioniert
Ein ETF mit Währungsabsicherung versucht, die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index möglichst genau in Schweizer Franken abzubilden. Das Fondsmanagement nutzt dazu Finanzinstrumente wie Devisentermingeschäfte. Das Prinzip ist simpel. Steigt der US-Dollar gegenüber dem Franken, profitiert der ungesicherte Anleger von Währungsgewinnen. Der abgesicherte Anleger verliert diesen Vorteil.
Fällt der Dollar hingegen, erleidet der ungesicherte Anleger Währungsverluste, während der abgesicherte Anleger davon verschont bleibt. Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein sinnvoller Schutzmechanismus, der für einen ruhigeren Schlaf sorgen soll. Viele Investoren vergessen dabei jedoch die Kostenkomponente.
Die unsichtbaren Kosten der Absicherung
Diese Sicherheit gibt es nämlich nicht zum Nulltarif. Die Kosten für die Währungsabsicherung setzen sich nicht nur aus den etwas höheren Verwaltungsgebühren (TER) des ETF zusammen. Viel entscheidender ist die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungsräumen. Wenn die Zinsen in den USA höher sind als in der Schweiz, kostet die Absicherung Geld. Historisch gesehen war dies sehr oft der Fall.
Diese Kosten werden direkt von der Rendite des ETF abgezogen, ohne dass sie separat auf der Abrechnung erscheinen. Über viele Jahre hinweg kann dieser Effekt die Performance spürbar belasten. Man spricht hier oft von den Kosten, die durch das Zinsgefälle entstehen. In Phasen grosser Zinsunterschiede können diese Absicherungskosten weit über einem Prozent pro Jahr liegen.
Aktien versus Anleihen
Es ist zudem wichtig zu unterscheiden, in welche Anlageklasse investiert wird. Bei Aktien sind die Kursschwankungen der Unternehmen meist deutlich grösser als die Schwankungen der Währung. Langfristig gleichen sich Währungseffekte oft aus. Ein weiterer Aspekt ist die Korrelation. In Krisenzeiten fällt der Aktienmarkt oft, während der US-Dollar als sicherer Hafen an Wert gewinnt. Wer in diesem Szenario keine Währungsabsicherung hat, profitiert vom starken Dollar. Dieser Währungsgewinn federt die Aktienverluste im Portfolio etwas ab. Eine Absicherung würde diesen natürlichen Puffer entfernen.
Ganz anders sieht die Situation bei Anleihen aus. Bei Obligationen sind die erwarteten Renditen und die Schwankungen traditionell geringer als am Aktienmarkt. Hier kann eine Währungsbewegung von 10 Prozent die gesamte Jahresrendite und mehr vernichten. Die Volatilität der Währung dominiert bei internationalen Anleihen oft das Risiko des eigentlichen Investments. Für Schweizer Anleger ist eine Währungsabsicherung bei globalen Anleihen daher fast immer Pflicht, um das Risikoprofil der Anlageklasse «Anleihen» zu wahren.
Fazit für die Strategie
Für den langfristig orientierten Aktieninvestor ist der Verzicht auf die Währungsabsicherung meist die bessere Wahl. Sie sparen sich die laufenden Absicherungskosten und profitieren von einer breiteren Diversifikation. Währungsschwankungen gehören zum Risiko eines globalen Aktienportfolios dazu, verlieren aber über lange Zeiträume von 10 oder 15 Jahren an Schrecken.
Wer diesen langen Atem mitbringt, kann die Volatilität meist aussitzen. Die Währungsabsicherung in Schweizer Franken eignet sich primär für Anleger mit sehr kurzem Zeithorizont oder zwingend für den defensiven Anleihenteil des Portfolios.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Trotz sorgfältiger Recherche wird keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte übernommen. Kapitalanlagen unterliegen Marktschwankungen. Eine individuelle Beratung unter Berücksichtigung der persönlichen finanziellen Situation wird empfohlen.