Beim Kostenvergleich eines Bankmandats mit einem selbsterstellten ETF-Portfolio (DIY) reicht der Blick auf die „Pauschalgebühr“ und die „TER“ nicht aus. Entscheidend ist die echte Total Cost of Ownership (TCO) – also alle Kosten für Kauf, Aufbewahrung und Verwaltung.
Ein wichtiger Unterschied vorweg:
- Beim Bankmandat sind die grössten Kostenblöcke wiederkehrend (jährlich anfallend).
- Beim Online-Broker sind die grössten Zusatzkosten einmalig (beim Handel anfallend).
Um diesen Effekt fair zu vergleichen, betrachten wir ein Praxisbeispiel.
Das Setup: 100’000 CHF über 10 Jahre
Wir investieren 100’000 CHF über 10 Jahre in globale Aktien. (Um die reinen Kosten zu isolieren, gehen wir von einem konstanten Portfoliowert aus und klammern den Zinseszinseffekt aus – in der Realität wäre der Unterschied durch den entgangenen Zinseszins noch viel gravierender zugunsten der ETFs).
Szenario A: Das klassische Bank-Aktienportfolio
Die Bank bietet eine Vermögensverwaltung (All-in-Fee: 1.00 % p.a.). Beim Kauf kommen oft versteckte Kosten wie Stempelsteuern und Währungsspannen (FX) hinzu.
- Einmalige Kaufkosten (Jahr 1): Stempelsteuer (0.15 %) + FX-Marge (0.50 %) = 650 CHF
- Laufende Kosten (Jahr 1-10): 1.00 % von 100k = 1’000 CHF/Jahr (Total: 10’000 CHF)
Gesamtkosten Bankmandat (10 Jahre): 10’650 CHF (TCO: 1.065 % p.a.)
Szenario B: Das selbsterstellte ETF-Portfolio (Online-Broker)
Sie bauen das Portfolio bei einem Schweizer Online-Broker selbst. Der globale ETF hat eine TER von 0.18 %.
- Einmalige Kaufkosten (Jahr 1): Courtage (ca. 30 CHF) + Stempelsteuer (0.15 %) + FX-Marge (0.50 %) = 680 CHF
- Laufende Kosten (Jahr 1-10): TER (180 CHF/Jahr) + Depotgebühr (ca. 100 CHF/Jahr) (Total: 2’800 CHF)
Gesamtkosten selbsterstelltes ETF-Portfolio (10 Jahre): 3’480 CHF (TCO: 0.348 % p.a.)
Was ist mit der Performance?
Wir gehen hier fairerweise von exakt derselben Bruttorendite aus. In der Praxis gibt es jedoch zwei Haken beim Bankmandat:
- Geringere Diversifikation: Die Bank investiert oft in nur 30 bis 50 Einzeltitel. Ein Welt-ETF streut das Geld in Tausende Unternehmen. Weniger Diversifikation bedeutet für Sie ein höheres Risiko.
- Die Illusion, den Markt zu schlagen: Um die Mehrkosten von über 7’000 CHF auszugleichen, muss der Bankberater den Markt systematisch schlagen. Wissenschaftliche Studien belegen: Das gelingt langfristig den allerwenigsten. Oft hinkt die Performance der Bankmandate dem Markt sogar schon vor Abzug der Gebühren hinterher.
Das Fazit: Ein Unterschied von über 7’000 CHF
Die Schere driftet massiv auseinander. Obwohl Sie bei der selbsterstellten Variante am ersten Tag fast gleich hohe Initialkosten haben wie bei der Bank:
- Die Bank frisst Ihr Vermögen laufend auf: 1’000 CHF gehen jedes Jahr ab.
- ETF-Kosten amortisieren sich schnell: Die laufenden Gebühren (280 CHF/Jahr) sind so minimal, dass die anfänglichen Transaktionskosten rasch eingespielt sind.
Sie sparen in 10 Jahren exakt 7’170 CHF an reinen Gebühren. Diese Summe fehlt beim Bankmandat in der Zinseszins-Rechnung, was den realen Endwert-Unterschied für Ihren Vermögensaufbau noch drastischer macht.
Rechnen Sie selbst!
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