Ist KI eine Blase? Philosophische und historische Einordnung. Teil 2

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Wir übertragen nun die bisherigen Muster auf die heutige KI-Entwicklung. Dabei geht es um eine einfache Frage: Welche Signale wirken wie eine Blase – und welche zeigen echte Innovation?

Heute sehen wir viele überzogene Erwartungen. Manche glauben, KI werde bald alles automatisieren, fast alle Jobs ersetzen oder sogar intelligenter werden als der Mensch. Diese Aussagen erinnern an frühere Hypes wie die Dotcom-Zeit oder die Railway-Mania. Auch das viele Kapital, das in Firmen ohne Umsatz oder sogar ohne Produkt fliesst, wirkt blasenartig. Milliardenbewertungen entstehen, obwohl manche Startups kaum Wettbewerbsvorteile haben. Und immer wieder hört man den Satz: „Diesmal ist alles anders.“ Historisch ist das ein Warnsignal.

Gleichzeitig gibt es starke Argumente gegen eine systemweite KI-Blase. KI erzeugt heute messbare Produktivität. Supportkosten sinken. Software wird schneller entwickelt. Inhalte entstehen effizienter. Wissensarbeit wird automatisiert. Die dahinterliegenden Technologien sind tiefgreifend und vergleichbar mit dem Internet oder sogar der Elektrizität. Die Nachfrage stammt nicht nur von Spekulanten, sondern aus Banken, Versicherungen, der Industrie und der Verwaltung. Und die grossen Player wie Nvidia, Microsoft, Apple und Google sind hochprofitabel.

Die Realität ist deshalb differenziert. Die Technologie selbst ist keine Blase. Sie ist real, wirksam und eine der bedeutendsten Innovationen unserer Zeit. Aber einige Erwartungen rund um KI sind übertrieben. Viele extrapolieren kurzfristige Gewinne zu weit in die Zukunft. Andere unterschätzen regulatorische und physikalische Grenzen. Und einzelne Bereiche wie Chips, Modell-Startups ohne eigenen Stack oder reine KI-Schlagwort-Produkte sind überhitzt.

Es gibt klare Parallelen zu früheren Blasen. Der Infrastruktur-Hype ähnelt der Railway Mania. Firmen ohne tragfähiges Geschäftsmodell erinnern an die Dotcom-Blase. Und spekulative Tokens wirken wie eine moderne Tulpenblase. Doch im Unterschied zu diesen früheren Phasen stiftet KI schon heute realen Nutzen.

Eine Blase könnte platzen, wenn die Wirtschaft schwächelt, Budgets sinken, Regulatoren eingreifen oder technische Grenzen sichtbar werden. Dann bleiben nur die Firmen übrig, die echte Probleme lösen.

Eine nüchterne Definition lautet: KI ist eine transformative Technologie. Um sie herum entsteht jedoch eine Übertreibungsphase. Die Technologie ist keine Blase. Aber Teile des Marktes sind es.

Harte Hinweise auf Überhitzung sind schnelle Kapitalzuflüsse, hohe Bewertungen, zu grosse Infrastrukturprojekte oder ein steigender Energiebedarf ohne passenden Nutzen. Weiche Hinweise sind mediale Euphorie, Firmen ohne klare Use-Cases, überzogene Gehälter und Investitionen aus purer Angst, den Anschluss zu verlieren.

Gleichzeitig sprechen echte Nachfrage, hohe Gewinne der führenden Unternehmen und das rasante Innovationstempo dagegen, dass wir uns schon am Ende einer Blase befinden.

Am wahrscheinlichsten ist: Wir stehen in einer frühen bis mittleren Übertreibungsphase. Die Technologie selbst ist stabil. Einige Marktbereiche sind heiss. Andere sind gesund. Der langfristige Trend bleibt intakt, ähnlich wie das Internet im Jahr neunzehnhundertsiebenundneunzig – weit entfernt vom grossen Crash.

In den kommenden zwölf bis 24 Monaten ist eine kleinere Korrektur wahrscheinlich. Betroffen wären vor allem Modell-Startups ohne eigenes geistiges Eigentum, überbewertete GPU-Bereiche und spekulative KI Tokens. Die Basistechnologie wird jedoch weiter wachsen. Und am Ende setzen sich jene Firmen durch, die eigene Infrastruktur besitzen, einen eigenen technologischen Stack haben, reale Nachfrage bedienen und von Netzwerkeffekten profitieren.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Trotz sorgfältiger Recherche wird keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Inhalte übernommen. Kapitalanlagen unterliegen Marktschwankungen. Eine individuelle Beratung unter Berücksichtigung der persönlichen finanziellen Situation wird empfohlen.

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